07. January 2026, Latest news

Aktienmärkte wittern MEGA

Die US Administration sieht Europa im Niedergang. Viele, wenn nicht die meisten Europäer, stimmen ihr zu. Der Markt sieht es anders.

Der Titel, den ich für den heutigen Newsletter ausgewählt habe, verwendete ich als Zwischentitel in meinem Beitrag vom 20. Februar 2025 in «the market NZZ».

 

Der Text dazu ist so aktuell wie vor knapp einem Jahr:

 

  • Denke ich an Europa, könnte ich schlaflose Nächte haben.

 

  • Ich denke aber in Zusammenhang meiner Anlagen nicht an Europa.

 

  • Ich denke an die Aktienmärkte weltweit und versuche zu verstehen, welche Perzepte jene bilden, welche kaufen und verkaufen und damit den Lauf der Dinge an den Börsen bestimmen.

 

  • Der Weg dazu liegt in einer Beobachtung, wo neue Schwärme entstehen, wachsen, wo solche stagnieren und zerfallen.

 

  • «Wo» bezieht sich auf Sektoren, Industrien, und Regionen.

 

  • Die Beobachtung erfolgt über ein sogenanntes RSMV-Modell. Die Buchstaben stehen für relative Stärke, Sentiment, Momentum und Volatilität. Die Knochenarbeit erledigt der Computer. Die finale Interpretation das Gehirn.

 

  • Dieses Modell und dessen Interpretation sagen mir, dass die Aktienmärkte etwas wittern, was als Aufbruch in Europa zu verstehen ist. Sozusagen als ein Wille zu «Make Europe great again».

 

Wenn ich den Nachrichtenfluss zum politischen und zum wirtschaftlichen Europa lese, kann ich nicht anders als zum Schluss kommen, dass ich daneben lag. Doch die Kursentwicklung spricht die Sprache des Marktes, die sich vor knapp einem Jahr abzeichnete.

 

So sieht es der Markt 

 

Da ist der DJ Stoxx Europe 600, der 16.6% zugelegt hat. Der S&P 500 ist um 16.4% gestiegen. 

 

Beide haben mit dem MSCI Welt nicht Schritt gehalten, der 19.5% gestiegen ist.

 

Doch in Europa befinden sich einige Länderindizes, die zur Weltelite gehören, wie der griechische ATHX20 mit einem Plus von 54.0%, der spanische IBEX mit Plus 49.2% und der österreichische ATX mit Plus 45.4%.

 

Deutlich besser als MSCI Welt, S&P 500 und Stoxx 600 schlossen auch MSCI Italy (+ 32.1%), OMX Helsinki (+ 30.2%) und DAX (+ 23.0%) ab.

 

Derzeit weist der Stoxx 600 und mit ihm die meisten europäischen Indizes ein positives relatives Momentum zum MSCI Welt auf und erst recht zum S&P 500.

 

Zieht man die Veränderung des Euros zum US Dollar in Betracht, fällt für die auf Euro lautenden Indizes ein Bonus von 13.5% an gegenüber den in USD berechneten Indizes, wozu auch der MSCI Welt gehört. Nicht schlecht, würde ich sagen! Ohne näher darauf einzugehen, nur ansatzweise die Frage, ob nicht der Euro auch unterschätzt wird, der selbst zum CHF das letzte Jahr mit lediglich einem Minus von 0.3% abschloss.

 

Die letzte Phase relativer Stärke des DJ Stoxx Europe 600 zum MSCI Welt, die mindestens zwölf Monate dauerte, hielt sich nur vom 4. März 2022 bis zum 10. März 2023 mit einem Plus von 7.58%. In dieser Periode verlor der MSCI Welt 9.17% und der S&P 500 gab um 10.8% nach.

 

Die Sektoren sind bestimmend

 

Einen wesentlichen Anteil am Erfolg fällt europäischen Banken zu. Der DJ Stoxx Europe 600 Banks hat letztes Jahr 67% zugelegt, der Euro Stoxx Banks sogar 80%. Dem gegenüber ist der DJ US Banks «nur» um 27.8% gestiegen.

 

Wie üblich, wird auch dieses Jahr die Allokation über die Sektoren den Erfolg determinieren. Was mir auffällt, ist, dass Europa in einigen Sektoren die Nase vorn hat.

 

Es mag sein, dass die relative Stärke einiger europäischer Sektoren, die sich auch auf Ebene der nach Ländern organisierten Indizes ausgewirkt hat, auf die jahrelang persistierende niedrige Bewertung relativ zu amerikanischen Titeln gleicher Branchen zurückzuführen ist. Der Verdacht liegt aber nahe, dass wir Europäer zu Berufspessimisten zu unserem eigenen Habitat geworden sind. Aktienmärkte haben die Neigung, der wirtschaftlichen Entwicklung vorauszugehen, und, wie die Geschichte lehrt, bekommen sie meistens recht.

 

Alfons Cortés, Senior Partner

 

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