02. June 2026, Latest news

Die Bootleggers von Hormuz

Drei Monate nach dem Angriff der USA und Israels auf den Iran ist keines der Probleme, die als Rechtfertigung für den Krieg genannt wurde, gelöst. Hingegen sind einige mehr hinzugekommen. Im Artikel «Sorgen über die sorglosen Energiemärkte» in der «Neue Zürcher Zeitung» vom 30. Mai wird der Axpo-CEO Christoph Brand mit dem Satz zitiert: «Wir wissen nicht, ob die Märkte die Folgen der Hormuz-Blockade unterschätzen». Im gleichen Beitrag kommt die BKW-Konkurrenz zu Wort: «Dauert diese Situation weiter an, könnte die Ausgangslage für den kommenden Winter schwierig werden».

So ist es: Wir wissen nicht, wie es kommen wird, und daher bleibt nur die Feststellung, was kommen könnte. Das lässt nicht nur immer eine Hintertüre offen, sondern eine ganze Fluchtschleuse, denn das Wort «könnte» lässt immer alles zu – und auch das Gegenteil davon. Da gibt es den Futures-Markt für Rohöl, dessen Handel weitgehend von Professionellen bestritten wird. Er zeigt tatsächlich ein niedriges Sorgenprofil, denn nach einem massiven Kurssprung von 77.5% in fünf Handelstagen hat sich eine Spanne zwischen zwei Referenzpreisen eingestellt, die von keiner schrillen Rhetorik aus Washington und Teheran gesprengt werden konnte:

 

 

Der professionelle Handel ist überzeugt, dass wenn der Konflikt ungelöst eingefroren bleibt, etwa USD 85 bis USD 115 die Schwankungsbreite sein wird – was ungefähr jener von April 2011 bis Juli 2014 entspricht.

 

Das jedenfalls ist meine Interpretation der marktgenerierten Signale die bereits im Unifinanz Global Sector Monitor Energy vom 28. April 2026 kommuniziert wurde. Getreu dem Motto «von Signal zu Signal» bleibt, unbenommen vom Nachrichtenfluss, diese Einschätzung aufrecht.

 

So regelt es der Schwarzmarkt

 

Die «NZZ» am Sonntag vom 31. Mai sinniert nicht so sehr darüber nach, ob der Markt sorglos sei oder nicht, sondern ob stillschweigend Schleichwege aus dem Dilemma gesucht und mindestens als temporäre Abhilfe gefunden wurden. Das fasst das Blatt zusammen im Beitrag «Das funktioniert ja prächtig», das sie gleich als Titel in Anführungszeichen über den Artikel gesetzt hat.

 

Der Beitrag berichtet über die Durchlässigkeit der Schiffsroute für ausgewählte Frachter und über die Autorität der Revolutionsgarden, aber auch über die Realität zahlreicher Mini-Deals die «Frachter für Frachter einen Transit durch die zentrale Verkehrsader» ermöglichen.

 

Die Rede ist von einer «neuen Ordnung» die «spürbar Fahrt» aufnehme. Angestrebt werde keine Maut, sondern eine Servicegebühr wie jene der Türkei für die Passage durch den Bosporus und die Dardanellen, im Falle der Strasse von Hormuz für Navigationshilfe, Sicherheit und Schutz der Umwelt. Geleistet werden solle die «Dienstleistung» wohl von einer gemeinsamen Service-Gesellschaft von Iran und Oman.

 

Fassen wir kurz zusammen: Die Politiker tauschen gegenseitige Beleidigungen aus, die Strasse von Hormuz bleibt zu, der Schwarzmarkt reguliert die Passagen. Das funktioniert wie der Whiskey-Schmuggel von Kanada in die USA zur Zeit der Alkohol-Prohibition in den USA. Die Schmuggler wurden Bootleggers genannt.

 

Alfons Cortés, Senior Partner

 

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